Spalier zum Knast

Die bayrische Provinzstadt Landsberg am Lech ist zum Tummelplatz der Verehrer des Steuerbetrügers Hoeneß geworden. Eine kilometerlange Menschenkette verstopft den Hindenburgring, der zum Gefängnis führt. Auch Kanzlerin Merkel hat sich eingereiht.

Sie und der bayrische Ministerpräsident Seehofer tragen gemeinsam ein großes Banner mit der Aufschrift “Respekt für Uli!” Neben ihnen haben sich alle CSU-Mitglieder des Kabinetts versammelt. Auch die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer wurde gesehen.

In der Menschenkette mischen sich Fußballfans und Würstchenesser mit Währungsspekulanten, die aus Frankfurt am Main, London und New York angereist sind, um ihrem Idol zu huldigen. Tausende Journalisten aus aller Welt berichten über den spektakulären Haftantritt.

Bei seiner Ankunft gab Hoeneß kein Interview. Er nahm nur kurz den Sportdirektor des FC Bayern, Sammer, beiseite. Ein TN-Reporter vermutet, dass die beiden über die Verwendung der nächsten Tranche aus den Rundfunkgebühren sprachen, die der Club erhält.

Er will gehört haben, wie Hoeneß die Anordnung gab: “Alles auf den chinesischen Yuan!” Diese Äußerung ist jedoch nicht verbürgt. Deshalb übernehmen wir dafür keine Gewähr.

Bundespräsident Gauck fehlt in dem Spalier. Er hat Termingründe vorgeschoben. Eine seiner Freundinnen sagte den TN, der Joachim habe nichts gegen den Uli. Aber wenn er auftrete, wollen er im Mittelpunkt stehen.

Gauck hatte angeboten, vor dem Gefängnistor eine “große Rede über die Freiheit” zu halten. Die Kanzlerin war dagegen. Sie zeigte ihm einen Vogel und zischte, das sei ja “nun wirklich nicht der richtige Ort”.

Zum Weiterlesen: Hoeneß wurde gewarnt