Linker Fingerbruch

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gysi, hat sich bei dem Versuch verletzt, den Finger in die Wunden der Regierungspolitik zu legen. In der Debatte zum Mindestlohn klopfte er mehrfach allzu heftig auf das Rednerpult. Dabei brach er sich den Mittelfinger.

Gysi setzte seine Rede zunächst unter Schmerzen fort, musste dann aber aufgeben. Familienministerin Schwesig sprang ihm geistesgegenwärtig zur Seite, als sie sah, dass er der Ohnmacht nahe war. Sie führte ihn zu seinem Platz und leistete erste Hilfe. Mit einer großen Büroklammer schiente sie das verletzte Glied.

Während der Behandlung flüsterte sie ihm beruhingend zu: Alles, was er gesagt habe, sei richtig gewesen. Dieser Satz drang auch an das Ohr des SPD-Fraktionschefs Oppermann. Er nahm Schwesig in einer Beratungspause beiseite und verlangte Rechenschaft.

Die Ministerin verteidigte sich mit den Worten, sie habe das linke Alphamännchen nur ablenken und aufmuntern wollen, um Schlimmeres zu verhüten. Außerdem könne es ja wohl nichts schaden, dem künftigen Koalitionspartner mit Verständnis zu begegnen.

Gysi hatte kein gutes Haar am gesetzlichen Mindestlohn der Regierung gelassen. Der komme viel zu spät, sei viel zu niedrig und habe viel zu viele Ausnahmen. Am meisten erregte er sich jedoch über die “noch immer viel zu kurze Redezeit, die der Opposition gewährt wird”.