Drohne fehlgeleitet

Eine Drohne hat den Präsidentenpalast in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen. Sie feuerte eine Rakete auf das Gebäude ab. Das Geschoss durchschlug das Dach und zerstörte punktgenau den Sessel des Präsidenten.

Weiterer Schaden entstand nicht. Der Sprengkopf der Rakete gehörte offenbar zu jenen, die in den Konfliktgebieten der Welt für die gezielte Tötung einzelner Personen eingesetzt werden. Präsident Karsai befand sich während des Angriffs jedoch nicht im Palast.

Die US-Regierung versucht, den Vorfall herunterzuspielen. Sie spricht von einem “bedauerlichen Computerfehler”. Der Geheimdienst CIA, der die Drohnen steuert, verhängte eine Nachrichtensperre und erklärte, der Vorfall werde untersucht.

Die “Washington Post” liefert zwei Erklärungsvarianten: Entweder sei ein Hacker am Werk gewesen, der den Taliban nahesteht, oder jemand aus der Chefetage der CIA habe Karsai einen “Warnschuss” verpassen wollen.

Karsai ist in Ungnade gefallen. Der Westen vermisst bei ihm jede Spur von Dankbarkeit, nachdem viele Millionen Dollar an ihn und seinen Clan geflossen sind.

Er weigert sich seit Monaten, einen Vertrag zu unterschreiben, der ausländischen Militärs über das Jahr 2014 hinaus Straffreiheit garantiert, wenn sie Kriegsverbrechen begehen.