Insel zu verschenken

Italien will seine Mittelmeerinsel Lampedusa loswerden. Die Regierung in Rom verlangt dafür kein Geld und keinen Gebietsaustausch. Sie verhandelt mit Tunesien und Libyen. Beide Länder sind noch unentschlossen, ob sie das Geschenk annehmen sollen.

Sie vermuten, dass die EU ihnen in der Flüchtlingspolitik den schwarzen Peter zuschieben will. Italien wies diesen Verdacht zurück und schlug vor, Tunesien und Libyen könnten sich die Insel teilen.Wichtig sei nur, dass Lampedusa wieder dorthin gelange, wo es geografisch hingehöre. Was die Bootsflüchtlinge angehe, so werde man die künftigen Insel-Besitzer auf keinen Fall alleinlassen.

Die Schenkungsurkunde, die bereits ausgefertigt ist, aber noch keinen Empfänger nennt, sieht „im gegenseitigen Einvernehmen“ die dauerhafte Stationierung von zwei Marine-Brigaden der europäischen Grenztruppe Frontex auf der Insel vor. Sie sollen alle Boote zerstören, die Lampedusa erreichen, um eine Weiterfahrt der Flüchtlinge unmöglich zu machen. Damit werde sichergestellt, „dass die Probleme Afrikas in Afrika gelöst werden“.

Ursprünglich ging das Angebot, Lampedusa zu übernehmen, auf diskreten diplomatischen Wegen nur an Tunesien. Die Übergangsregierung in Tunis hatte sogar schon zugestimmt. Sie verlangte im Gegenzug jedoch einen verbindlichen Zeitplan für die Anbindung des Landes an die Europäische Union.

Bei den EU-Behörden in Brüssel hob man die Hände: Seit dem Sturz des „zuverlässigen Präsidenten Ben Ali“ seien solche Überlegungen „ganz abwegig“.

Inzwischen wird in Brüssel überlegt, ob Europa nicht auch auf die Insel Malta verzichten kann.

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