Erdogan dichtet

Der türkische Staatspräsident Erdogan ist sauer. Das Verfahren gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann dauert ihm zu lange. Deshalb beschloss er, “diesen deutschen Clown mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen.”

Er rief seine Hofschreiber zusammen und beauftragte sie, ein Lied zu verfassen, das “den Böhmermann so richtig fertigmacht”. Es kamen nur drei, weil die anderen schon im Gefängnis sind. Sie erschienen mit schlotternden Knien und brachten immer wieder nur hervor: “Jawohl, Majestät, jawohl, Majestät”.

Erdogan hörte sich das eine Weile genüsslich an, bis ihm wieder einfiel, was er eigentlich von ihnen wollte. Dann warf er sie hinaus und machte sich allein ans Werk. Er dichtete die ganze Nacht. Erst am Morgen legte er erschöpft, doch zufrieden, die Feder nieder.

Das Spottlied wurde umgehend an alle türkischen Zeitungen verteilt, wo es in Fortsetzung auf den Titelseiten zu erscheinen hat. Am kommenden Freitag wird es zudem in allen Moscheen verlesen, die mit türkischem Geld im Ausland gebaut wurden.

Erdogans Epos ist fünf Seiten lang. Es beginnt mit den Worten “Der winzig kleine Böhmermann pirscht sich an kalte Döner ran” und übertrifft den pubertären erotischen Charme des Originals um ein Vielfaches. Deshalb verzichten wir auf weitere Zitate.

@pet