Canossa auf der Krim

Der türkische Präsident Erdogan hat weiche Knie bekommen. Er beugte sich einer Einladung des russischen Präsidenten Putin zu einem Treffen in Jalta auf der Krim.

Erdogan bat dort offiziell um Verzeihung für den Abschuss eines russischen Kampfbombers über Syrien. Das solle nicht mehr vorkommen, versprach er. Ausschlaggebend war Putins Drohung, nie wieder Touristen in die Türkei zu schicken.

Der russische Präsident nahm Erdogans Entschuldigung bei einem Spaziergang mit freiem Oberkörper wohlwollend an. “Sie sehen, auch wir haben schöne Strände, an denen man sich gut erholen kann”, sagte er mit einem verschlagenen Lächeln.

Beide diskutierten lange darüber, wie man in Syrien zwischen “moderaten und radikalen Rebellen” unterscheiden kann. Am Ende einigten sie sich darauf, dass Russland nur noch solche Gruppen angreift, die ihre Gefangenen öffentlich enthaupten. Wer sie erschießt oder auf andere Weise massakriert, soll einstweilen verschont bleiben.

Das sorgte sofort für Aufregung in Ankara. Der Abgesandte des “Islamischen Staates”, der aus der Botschaft Saudi-Arabiens die Öl- und Waffengeschäfte der Terrortruppe lenkt, wollte protestieren.

Ein Sprecher des Ministerpräsidenten ließ ihn jedoch abblitzen. Der Zeitpunkt sei schlecht gewählt.

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